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Der Prozess


Das erste Mal in meinem Leben in einer Gerichtsverhandlung:
Sportgericht der DTU in der Otto-Fleck-Schneise, in Frankfurt. Gleiche Adresse wie die DTU Geschäftsstelle.
Die Stimmung ist angespannt. Man sucht einen Raum. Alle stehen rum. Warten. Eine halbe Stunde später haben Herr Wilke, Vizepräsident der DTU, und Richter Mahn einen Raum organisiert.

Die Verhandlung beginnt damit, dass Richter Mahn erklärt, dass die Unterschriften der Disziplinarkommission auf den Sperrbeschluss draufkopiert worden waren. Mit diesem Papier war im September eine Sperre gegen mich beschlossen worden. Der Richter erklärt weiter, dass ein Dokument mit kopierten Unterschriften ungültig ist. Somit gab es gar keine Sperre.
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Der Beschluss der Disziplinarkommission hatte keine Gültigkeit, ich war laut Gesetz nicht gesperrt gewesen. Ich hatte gegen einen Beschluss, der gar nicht bestand, Einspruch eingelegt. Mein Einspruch war gegenstandslos eworden. Wir hätten eigentlich alle wieder nach Hause gehen können.
Dann hätte die DTU einen neuen Beschluss fassen müssen, ich hätte wieder Einspruch eingelegt und wir hätten uns in 3-4 Monaten wieder zur Verhandlung getroffen.

Das wollte ich nicht. Ich wollte eine Entscheidung, ich will mich endlich wieder auf Training und Wettkampf konzentrieren, und nicht meine Zeit mit Gerichtsverhandlungen verbringen.

Mein Ziel ist Beendigung des Verfahrens und Freispruch vom Vorwurf des Dopings.

Es gibt wieder zwei Möglichkeiten, ich muss mich entscheiden: Entweder ich vertraue auf einen Urteilsspruch des DTU Verbandsgerichts.
Wird der Richter der DTU mich freisprechen?
Wird er mich auf Grund der Verfahrensfehler beim B-Test (s.u.) freisprechen?

Wenn der Richter mich nicht freispricht, dann muss ich vors Zivilgericht, das heißt ein neuer Prozess, der, wie mir Herr Lehner, mein Anwalt sagt bis zu 2 Jahre dauern kann. Meine Chancen auf einen Freispruch vor dem Zivilgericht schätzt er sehr hoch ein. Aber wie gesagt, einen Freispruch auf Grund von Verfahrensfehlern. Und ist mir damit geholfen? Der Dopingvorwurf ist zwar dann durch ein Gericht aufgehoben, aber was der wirkliche Grund für die Testergebnisse war, wissen wir ja dann immer noch nicht.

Ich kann nicht mehr beweisen, dass ich NICHTS genommen habe. Die einzige Chance, die einem Sportler für diesen Beweis bleibt, ist der B-Test.
Wenn Herr Wilke von der DTU mir dieses Recht nicht verwehrt hätte, dann wären der Wissenschafter Herr Heim und Herr Lehner, mein Anwalt, bei der Öffnung und Analyse des B-Tests anwesend gewesen:

1.
Sie hätten sofort festgestellt, dass die Probe nicht richtig verschlossen war (siehe Laborbericht), daraufhin hätte sofort eine DNA - Analyse gemacht werden müssen, um den Test überhaupt eindeutig zuordnen zu können.
Ich hatte schon vor der Öffnung des B-Tests eine DNA-Analyse beantragt. Diese wurde mir von der DTU abgelehnt, mit der Begründung, das sei zu teuer. (Anm.: Ich hatte angeboten die Analyse selbst zu zahlen).

2.
Dann wäre eine Bakterien- bzw. Hefeanalyse gemacht worden. Denn durch Hefebefall der Probe kann sich Testosteron in der Probe bilden (siehe Verteidigungsschrift, Fall Mohdal, Aussage Prof. Franke).

War es mein Urin? Hatte sich das Testosteron in der Probe gebildet? Diese Fragen hätten wir klären können.
Der Laborbericht und damit die Information, dass die Proben nicht richtig verschlossen waren, wurden mir, meinem Anwalt und sogar dem Gericht bis eine Woche vor dem Verhandlungstermin vorenthalten.

Mal angenommen bei all diesen Tests wäre nichts herausgekommen, also es wäre meine Probe gewesen und es hätte keinen Hefebefall gegeben, wäre da noch die Möglichkeit, dass es eine Manipulation war oder Nahrungsergänzungsmittel.
Ich möchte keine dieser Varianten annehmen, im einen Fall würde ich womöglich Verfolgungswahn entwickeln, im anderen Fall hätte ich das Testosteron ja längere Zeit in meinem Körper gehabt, und das hätte ich, denke ich, doch gemerkt.

Also zurück zum Verfahren:
1. Die Chance, meine Unschuld zu beweisen, wurde mir genommen.
2. Nicht korrekt verschlossene Urinproben können nicht als Beweis für eine Schuld verwendet werden.
3. Die DTU hat viele Verfahrensfehler gemacht, und Regeln missachtet.

Ich wollte das Verfahren beenden, wieder ein Leben haben und das machen, was mein Beruf ist, aber auch meine Leidenschaft: Triathlon.

Es kam also zum “Deal”. Mir war, wie ich auch vor Gericht immer wieder betont habe, am wichtigsten, dass der Dopingvorwurf nicht mehr besteht.
Damit das Verfahren eingestellt, auf weitere Sanktionen verzichtet wurde und es niemals eine Sperre gab, ist anerkannt worden, dass der Dopingvorwurf nicht haltbar war.
Ich habe mich im Gegenzug bereiterklärt erst ab Juni bei DTU Triathlons oder Duathlons zu starten.

Vier Monate Vorbereitungszeit auf das nächste große Rennen, das ist OK.
Ich war erleichtert und froh.

Dann am Sonntag kam der Hammer:
Herr Wilke von der DTU hat direkt nach Abschluss der Verhandlung die Falschmeldung veröffentlichen lassen:
”Die Sperre von Katja Schumacher ist von 12 auf 10 Monate verkürzt worden” (September - Juni sind übrigens auch nur 9 Monate). Das hat mich empört, und auch menschlich enttäuscht. Hatte doch Herr Wilke am Ende des Verfahrens noch gefragt, ob es denn OK sei den OFFIZIELLEN WORTLAUT zu veröffentlichen?
Die Meldung wurde dann auch Sonntagnachmittag von der Seite genommen. Der Schaden für mich war aber schon entstanden, denn auch heute noch machen Zeitungen daraus: ”Die des Dopings überführte ….”.

Es geht weiter:
Herr Denk (Veranstalter Ironman Frankfurt) gibt eine Presseerklärung voller Unwahrheiten raus, und lässt mich von der Ergebnisliste des Ironman Frankfurt streichen. Ohne irgendwelche rechtlichen Hintergründe. Die Pressemeldung hat er mittlerweile nach einem Schreiben von meinem Anwalt zurückgenommen. Den Rest müssen wir leider gerichtlich regeln. Ich muss wieder auf dem 2.Platz in die Ergebnisliste aufgenommen werden, verlange mein Preisgeld und verlange von Kurt Denk, dem Veranstalter vom Ironman in Frankfurt, die Falschmeldungen zurückzunehmen und in Zukunft zu unterlassen.
Leider geht es jetzt doch noch weiter. Ich werde mich aber jetzt wieder voll aufs Training konzentrieren, Herr Lehner wird weiterhin meine Interessen vertreten.



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