Ich bin sehr froh, dass ich mich vor ein paar Wochen entschlossen habe, meinen Abschied im Rahmen der Party im Fitness Park Pfitzenmeier zu erklären. Es war sehr schön, in meiner Heimat zu sein, wo meine Karriere angefangen hat. Freunde, Familie, Sponsoren und viele, die mich durch so viele Hochs und Tiefs begleitet haben, dabei zu haben. Großen Dank an Jürgen Hilberath und Alex Pfitzenmeier, die meinen Abschied zu einem unvergesslichen Erlebnis für mich gemacht haben.
Meine Rede und Presseerklärung zu meinem Abschied:
Triathlon war meine Leben, der Sport hat mir 13 Jahre lang alles bedeutet. Ich habe alles getan, um jedes Jahr meine Leistung zu verbessern. Als Kind habe ich schon davon geträumt, Profisporterin zu werden. Ich hatte das seltene Glueck, die Voraussetzungen zu haben, um aus der Leidenschaft Triathlon einen Beruf zu machen und es nach Jahren konzentriertenTrainings bis in die Weltspitze zu schaffen. Ich bin sehr dankbar, diese Chance im Leben bekommen zu haben und möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei meiner Familie, meinen Sponsoren, Freunden und allen, die mich unterstützt haben, bedanken. Ohne Euch hätte ich nie erreicht, was ich erreicht habe.
Seit 1996 habe ich daran gearbeitet, meine Leistung zu optimieren, habe Siege und persönliche Bestleistungen erreicht, aber auch Tiefpunkte überwinden müssen und aus Niederlagen gelernt. Der Sport hat mein Leben bestimmt und mich gleichzeitig viel für's Leben gelehrt.
Warum ich jetzt aufhöre? Tiger Woods hat einmal gesagt: “Ich messe meinen Erfolg nicht an meinen Siegen, sondern daran, ob ich jedes Jahr besser werde.“ Mitte diesen Jahres hatte ich das erste Mal in meiner Karriere das Gefühl, mich nicht mehr verbessern zu können. Es hat im Ironman-Bereich in den letzten 2 Jahren einen großen Leistungssprung gegeben und als ich nach meinem Sieg beim Half Challenge Barcelona (einer der bestbesetzten Half Ironman dieses Jahres) versucht habe, das Training entsprechen zu steigern, bin ich an meine Grenzen gestoßen.
Ein weiterer und vielleicht noch wichtiger Grund, dass ich heute meinen Rücktritt erkläre ist, dass nach 13 Jahren als Triathlonprofi neue Aufgaben vor mir liegen. In den nächsten Jahren möchte ich Triathlonträume erfüllen, indem ich all meine gesammelten Erfahrungen an andere Sportler weitergebe und ihnen helfe, ihre persönlichen und sportlichen Ziele zu erreichen. Schon dieses Jahr hat mir der Erfolg meiner Sportler oft mehr bedeutet als meine eigene Leistung. Ich freue mich, dass dieser wunderbare Sport auch in Zukunft Teil meines Lebens sein wird.
Karriere:
1990 hat Katja ihren ersten Triathlon gemacht. Mit Turnschuhen und auf einem viel zu großen Fahrrad, das sonst als Transportmittel zur Schule und anderen Aktivitäten diente, holte sie beim Laufen die Favoritin Carola Hoecker ein und sie beschlossen zusammen als 1.und2. ins Ziel zu laufen.
Ein Jahr später beschlossen die drei Freundinnen Kris Wiegand, Bärbel Welsch und Katja, nachdem sie richtig Feuer gefangen hatten, einen Ironman zu versuchen. Als begeisterte Zuschauerinnen beim Ironman Roth 1992 wurde anschliessend das gemeinsame Training gestartet. 1993 beim Ironman Europe finishte Katja in 10:16h und qualifizierte sich für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii. "Damals war mir nicht klar, was für eine Ehre das war und dass es Sportler gibt, die jahrelang auf das Ziel Hawaii-Quali hinarbeiten. Ich dachte mir: Nein, eine WM, dafür bin ich noch nicht gut genug. Ich trainiere lieber noch ein Jahr und gehe dann. 1994, nachdem ich mit meiner Ausbildung zur Sportphysiotherapeutin angefangen hatte und nicht mehr viel Zeit für's Training blieb, habe ich dann die Quali verpasst.“ Damals fing Katja an zu verstehen, was für ein Talent sie hat und was daraus möglicherweise werden könnte.
Nach dem 3.Platz in der Gesamtwertung beim Ironman Lanzarote 1995 hat Katja entschieden, das Risiko „Weltspitze im Triathlon“ und ein Leben als Profisportlerin einzugehen.
Durch Aushilfjobs, von Bedienung zur Putzfrau, finanzierte Katja sich Trainingslager und ging ohne Unterstützung irgendeines Verbands einen einen stetigen Weg zur Spitze, mit einem 2. Platz 1996 beim Ironman Lanzarote, 1997 einem 2.Platz beim Ironman Europe in Roth und schließlich 1998 der erste Ironman-Sieg beim Ironman Europe in Roth. Und jetzt gab es dann auch Unterstützung durch Sponsoren, Herr Lautenschläger von MLP war 1998 Katjas erster richtiger Sponsor. "So war es damals im Frauenbereich des Triathlon, man musste es erst ganz nach oben geschafft haben, bevor man auf Sponsoren hoffen durfte. Das ist auch heute in Deutschland im Frauen-Sport kaum anders. Männer verdienen schon Geld, wenn sie mal unter die Top 10 kommen, Frauen müssen sich mit wenigen Ausnahmen selbst finanzieren. Kein Wunder, dass wir dieses Jahr bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii eine einzige deutsche Frau haben, die eine Chance auf eine vordere Platzierung hat. Aber ein Dutzend Männer!"
Nach ihrem ersten Ironman-Sieg setzte Katja sich ein neues Ziel, die Teilname bei den Olympischen Spielen in Sydney. Dieser Traum wurde nach 2 Jahren intensiven Trainings und Wettkämpfen im Weltcup abrupt durch einen Autofahrer in Sydney gestoppt. 2 Tage vor einem der letzten Qualifikationsrennen wurde Katja bei einer letzten Trainingseinheit mit dem Deutschen Team von einer unachtsam geöffneten Autotür vom Rad geholt und musste mit einem Bizepsanriss ihre Olympiaträume begraben.
Nach monatelanger Reha und Betreuung am Olymiastützpunkt Rhein-Neckar erlebt Katja 2001 und 2002 ihre besten Jahre. Die Siegesliste ist lang, hier nur ein Ausschnitt: Ironman Florida 2001 (Streckenrekord), Wildfower 2002 (Sieg), California Half Ironman (Sieg und Streckenrekord), Ironman Frankfurt 2002 (Sieg).
Nach einem Jahr mit Zahnproblemen folgten 2004 Dopinganschuldigungen, die den Tiefpunkt ihrer Karriere bedeuten sollten. Zwar endete der Prozess mit einem Vergleich, denn die Schuld, aber auch die Unschuld konnten nicht bewiesen werden, dennoch verfolgte Katja jahrelang das Stigma der Doperin.
Sie antwortete darauf mit ihrer besten Platzierung bei der Ironman Weltmeisterschaft in Hawaii: 6.Platz 2005, und einem weiteren Ironman Sieg 2006 in Wisconsin, USA.
Die letzten Jahre folgten Deutsche Meistertitel und 5 Rhein Neckar Cup Siege sowie ein Ironman 70.3 Sieg in Florida und der Half Challenge Sieg in diesem Jahr. Katja ist bislang die einzige deutsche Triathletin, die über einen so langen Zeitraum und verschiedene Distanzen internationale Siege erringen konnte.