Rhein Neckar Zeitung 25.07.2005
Katja Schumacher ist zurück in ihrem Leben -
Nach einjähriger Doping-Sperre der befreiende Erfolg beim Römer-Man – Am 7. August in Heidelberg
Ladenburg. (wag) Die Freude war nach innen gekehrt. Nach außen zeigte Katja Schumacher nur ein kleines Lächeln in dem Moment, als sie die Ziellinie überquerte und mehrere Kinder mit Luftballons hinter ihr herliefen. Erst später, als die Gratulanten Schlange standen, öffnete sie sich ein wenig. Dann ließ die Triathletin aus Heidelberg-Neuenheim nach und nach erkennen, wie wichtig ihr der Sieg nach 2:22,55 Stunden beim Römer-Man in Ladenburg am Samstagnachmittag wirklich war.
Es war zwar nur eine kleine Veranstaltung im Vergleich zu all jenen großen Wettkämpfen mit den klangvollen Namen, bei denen die Heidelbergerin mitgemacht hatte. Und auch ihre Siege beim Ironman Europe 1998, dem Ironman Florida 2001 und dem Ironman Frankfurt 2002 waren – sportlich betrachtet – viel bedeutsamer als der Wettbewerb in Ladenburg mit äußerst überschaubarer internationaler Konkurrenz. Doch es war ihr erster Auftritt in Deutschland nach dem Ablauf ihrer Dopingsperre. Und dann wurde es auch noch ein Sieg mit fast sieben Minuten Vorsprung. „Das hat unheimlich Spaß gemacht“, sagte Katja Schumacher danach.
Das vergangene Jahr war mit Sicherheit das härteste im Leben der 37-jährigen Profi-Sportlerin. Das sagt sie selbst, und das ist beim Blick auf die Geschehnisse der vergangenen zwölf Monate leicht zu glauben. „Ich hatte so viele Tiefs, die wünsche ich keinem Sportler“, sagt sie heute in nachdenklichen Momenten, „ich war zeitweise am Boden und habe einen Hass entwickelt.“ Wen oder was sie hasste, sagt sie nicht. Vielleicht war es nur ein allgemeiner Hass aufgrund der äußeren Umstände.
Den ganzen Ärger löste eine Dopingprobe beim Ironman in Frankfurt im vergangenen Jahr aus, Schumacher wurde positiv auf Erythropoetin (Epo) getestet. Sie schaltete den Heidelberger Rechtsanwalt Dr. Michael Lehner ein, versuchte mit allen Mitteln, ihre Unschuld zu beweisen, was ihr aber nie gelang. Zwar waren Argumente und Beweise der Gegenseite nicht gerade stichfest und einwandfrei, doch Schumachers Sperre von einem Jahr blieb bestehen. Als Konsequenz kündigte Sponsor Opel den Vertrag mit der Triathletin, danach wurde natürlich auch das Geld knapp.
Der Wettbewerb in Ladenburg musste da freilich wie eine Erlösung gewirkt haben. „Ich habe mich sehr gut gefühlt, die Zuschauer haben mir zugejubelt und mich getragen“, sagte sie entspannt, „beim Radfahren wollte ich die Konkurrenz demoralisieren.“
Endlich kann sie wieder über den sportlichen Wettkampf sprechen, über starke Steigungen auf der Radstrecke und gute äußere Bedingungen. Endlich muss sie nichts mehr von fehlgelagerten Dopingproben und untergejubelten Trinkflaschen erzählen. Ob ihr Urin damals auf dem Weg von Frankfurt ins Labor nun tatsächlich vertauscht wurde, konnte nie zweifelsfrei geklärt werden. Aber nun spielt das keine Rolle mehr, sie gehört wieder zu den aktiven Sportlern. „Ich liebe diesen Sport so sehr“, sagte sie noch, „das hat mir das Comeback ermöglicht.“
Es ist eine Rückkehr, „bei der ich niemandem etwas beweisen muss“, sagte sie. Und dennoch ist es eine Rückkehr mit Schwierigkeiten. Der Makel einer Dopingsperre war in der Heimat nicht zu verspüren, aber er könnte in Zukunft zu Misstrauen führen. Außerdem sind Starts für Schumacher mittlerweile eine Geldfrage. „Ich hatte ein Jahr lang keine Einnahmen und stattdessen Ausgaben, die ich vorher nicht hatte“, sagt sie rückblickend, leicht verbittert. So musste Katja Schumacher erstmals auf ein Trainingslager verzichten, „das konnte ich mir diesmal nicht leisten.“
Um sich wenigstens ein paar Einnahmen zu sichern, startete sie gleich nach Ablauf ihrer Sperre bei einem Wettkampf in Alcatraz/Kalifornien und über die Halbdistanz bei einer Veranstaltung im US-Bundesstaat West-Virginia. Und nun also die Triathlons vor der Haustür. Schon am 7. August nimmt sie am Heidelberg-Man teil, danach bei der dritten Veranstaltung im Rahmen des Rhein-Neckar-Cups in Viernheim, dazwischen an den deutschen Meisterschaften. „Ich freue mich, dass ich wieder zurück bin“, sagte Katja Schumacher, „dass es jetzt wieder normal ist, bei einem Triathlon dabei zu sein.“
Kommentar
In dem Artikel befinden sich einige falsche Aussagen. Die Rhein Neckar Zeitung wird diese in Rahmen eines Berichtes über die Sportlerin im Rahmen des Heidelbergman richtig stellen.
1. Das Verbandsgericht entschied sich für KEINE SANKTIONEN / KEINE SPERRE gegen Katja Schumacher.
2. Es handelte sich um einen erhöhten Testosteronwert, nicht EPO.
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