Rhein Neckar Zeitung
Vierundsiebzig wollen sich testen lassen Grosses Interesse für "Elitelizenz" bei Triathleten
von Ulrich Porsch, Rhein Neckar Zeitung
Frankfurt(Main): Die Deutsche Triathlon-Union, die im letzten Jahr gleich von mehreren Dopingfällen bei
ihren Athletinnen gebeutelt wurde, ist nun in die Offensive gegangen und organisiert ihr Kontrollsystem neu. Seit diesem Jahr gibt es eine so genannte "Elite-Lizenz" für deutsche Triathleten, die mit 250 € bezahlt werden muss und die notwendig ist, um bei Deutschen Meisterschaften und den großen Langstreckenrennen in Deutschland Preisgeld ausbezahlt zu bekommen.
Die Erwerber dieser Lizenz gehören damit dem nationalen Testpool für Trainingskontrollen der Nationalen
Anti Doping Agentur (NADA) an und können somit (im Prinzip) jederzeit im Training auf Doping kontrolliert werden. Auch sind sie verpflichtet, ihren Aufenthaltsort jederzeit der NADA mitzuteilen, damit diese die Kontrollen auch wirklich jederzeit und unangekündigt durchführen kann.
Soweit, so löblich. Vierundsiebzig Athletinnen und Athleten gehören dem Elitekader zum 1. März an, was der DTU unter anderem eine zusätzliche Einnahme von 18500 € verschafft, mit dem sie den Kampf gegen Doping vorantreiben kann. Der Deutsche Leichtathletik-Verband, dies sei hier am Rande bemerkt, führt in seinem vergleichbaren ST-Kader gut die 15-fache Sportlerzahl, und die kommen da ohne Gebühr hinein...
Die neue Lizenz hat wahrscheinlich eine offene juristische Flanke, wie der Jurist und hoffnungsvolle Triathlet Ulrich Fluhme aus Konstanz entdeckt hat. Da die benachbarten (EU-)Länder eine solche Lizenz meist nicht kennen, verstößt die Vorschrift gegen die EU-Richtlinien zur Berufsfreiheit, da ein deutscher Triathlet bei einem deutschen Rennen ggf. gegenüber einem österreichischen Starter, der keine solche Lizenzpflicht hat, benachteiligt ist - Beispiel: der deutsche Athlet A (ohne Lizenz) wird beim Ironman Frankfurt Zweiter und bekommt kein Preisgeld, der österreichische Athlet B (auch ohne Lizenz) wird Dritter und bekommt das Preisgeld. Auf Anfragen Fluhmes hat die DTU schon seit Ende November nicht geantwortet.
Unter den neuen Elite-Lizenzierten sind die meisten der regionalen Größen, allen voran natürlich Hawaii-Sieger Normann Stadler von der MTG Mannheim mit seinen Teamkameraden Alex Taubert, Timo Bracht und Uwe Widmann. Auch das weibliche MTG-Talent für die Langstrecke, die Schriesheimerin Almuth Grüber, hat die Lizenz zum Getestetwerden gelöst.
Eine auffällige Lücke auf der Liste ist Heidelbergs Top-Triathletin Katja Schumacher. Sie, die ungewollt oder zumindest ungeplant mit ihrer unklaren "Dopingaffäre" (deren Ausgang inzwischen vor ordentlichen Gerichten geklärt wird) den Stein ins Rollen gebracht hat, fehlt auf der Liste. Wir erreichten die Athletin an ihrem "Winterwohnsitz" in Kalifornien: "Natürlich bin ich im Elitekader, ich habe schon bezahlt und auch die Benachrichtigung von der NADA bekommen, wie ich meine Ortswechsel zu melden habe. Aber die DTU ist der Meinung, ich gehöre nicht auf die Liste..."
Eine Nachfrage beim Vizepräsidenten für Öffentlichkeitsarbeit der DTU, Martin Bentele, ergab, dass die DTU wirklich diese Auffassung vertritt. Für eine Begründung müsse man aber den Vizepräsidenten Reinhard Wilke fragen, denn er, Bentele, könne die Entscheidung und ihre Begründung nicht mittragen. Der Anruf bei Wilke gestaltete sich kurz: "Ja, so lange Frau Schumacher keinen Startpass habe, und den habe sie erst ab dem 1. Juni 2005, sei sie nicht Mitglied des Elitekaders. Ob sie sich bei der NADA melden müsse, sei da irrelevant." Weiteres Nachfragen wurde abgeblockt. Dies zeigt, dass die 74 Eliteathleten schon etwas Mut bewiesen haben, ihr sportliches Heil an das Rechtsempfinden der DTU gehängt zu haben.
Die amtierende BaWü-Meisterin und Heidelberg-Siegerin Ricarda Lisk ist auch kein Mitglied im Elitekader, denn als B-Kaderathletin ist sie sowieso im Dopingkontrollsystem und kann sich die 250 € damit sparen. Das verstärkt den Verdacht, dass die Elitelizenz die "unorganisierten" Langstreckenathleten zur Kasse bitten soll, die zwar für Erfolge (Hawaii-Sieg) und Publicity sorgen, aber leider nicht olympisch sind und somit nicht für Planstellen in der DTU-Struktur sorgen.
Zu wünschen ist, dass alles obige sich als Schwarzseherei erweist, denn noch ist ja nichts verloren. Die DTU kann zeigen, dass die Elitelizenz der richtige Weg ist. Sie muss dazu nur offen legen, wie viele Kontrollen in diesem Kreis wirklich gemacht werden, und vielleicht auch, auf welche Substanzen getestet wird. Denn immer noch gilt: die in Hawaii mit EPO erwischte Nina Kraft wäre, hätte sie den Stoff schon für den Ironman in Frankfurt genommen, nicht aufgefallen, denn dort wurde nicht auf die Ausdauersportlerdroge Nummer Eins getestet!
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Kommentar Katja Schumacher:
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Ich habe mich Mitte Januar fuer den Elitepass angemeldet und die 250 Euro bezahlt. Ich bin bei der NADA gemeldet und habe mich auch fuer mein Training in den USA mit Adresse dort gemeldet. Dass ich nicht auf der Liste der DTU-Homepage erscheine ist mir unerklaerlich. Und ich habe deshalb auch schon mehrmals nachgefragt. Auf keine meiner Nachfragen, warum ich nicht auf der Liste stehe, habe ich eine Antwort erhalten."
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