Sitemap
Rhein Neckar Zeitung 27.01.2005


Der schwerste Triathlon der Katja Schumacher

Die Heidelbergerin kämpft um ihre Glaubwürdigkeit und umgibt sich mit Koryphäen wie Werner Franke und Michael Lehner


Von Joachim Klaehn, Rhein Neckar Zeitung


Heidelberg. Triathleten sind Individualisten. Sie bereiten sich akribisch auf ihre Wettkämpfe vor, um beim eigentlichen Höhepunkt, einem Ironman, möglichst eine gute Zeit und Platzierung zu erreichen. Katja Schumacher, der 36-jährigen Profi-Triathletin vom SV Nikar Heidelberg, ist das unzählige Male in ihrer Karriere gelungen. Sie triumphierte 1998 beim Ironman Europe in Roth, 2001 beim Ironman in Florida und 2002 beim Ironman in Frankfurt. Auch wenn es im Triathlon-Mekka Hawaii nie so recht klappen wollte, sie zählt in ihrer Sportart zur Elite und Weltspitze. Doch seit dem 11. Juli 2004 ist für die gebürtige Heidelbergerin nichts mehr wie es einmal war. Schumacher startete beim Ironman Frankfurt, wurde nach 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen Zweite in 9:20,28 Stunden hinter Nina Kraft (8:58,37 Std.) aus Braunschweig. Anschließend ging’s zur Doping-Kontrolle. Ein für sie ganz normales Prozedere, über zwanzig Mal hatte Schumacher Urinproben mit negativem Befund abgegeben.

Doch jener 11. Juli 2004 sollte für Katja Schumacher Folgen haben. Aus Trainingsgründen wieder in den USA weilend, erhielt sie am 17. August eine E-Mail des Triathlon-Fachjournalisten Kai Baumgärtner mit dem Hinweis, es gäbe eine deutsche Athletin, die in Frankfurt positiv getestet worden sei. „Jeder hat gedacht, das ist Nina Kraft, blickt Schumacher zurück. Die 35-jährige, gelernte Technische Zeichnerin aus Braunschweig sollte unterdessen einige Monate später erwischt werden. Als erste Deutsche schien sie durch ihren Sieg auf Big Island Hawaii Geschichte zu schreiben. Der mythosumwobene Moment blieb freilich ohne Langzeitwirkung: Kraft wurde der Einnahme von Erythropoetin (Epo) überführt. Ein handfester Skandal, ein Absturz in den „Höllenschlund“. Was Nina Kraft zu Gute gehalten werden musste: Sie war eine geständige Sünderin.

Der „Fall Schumacher“ ist qualitativ nicht mit „Doping par excellence“ einer Nina Kraft zu vergleichen. Bei der Nikar-Dame wurde vielmehr ein abnorm hoher Quotient der Hormone Testosteron zu Epitestosteron festgestellt. Zur Erinnerung: Als Ben Johnson 1988 bei den Olympischen Spielen von Seoul den Doping-Fahndern ins Netz gegangen war, hatte der einen Hormon-Quotienten von 10:1 aufgewiesen, bei Katja Schumacher lag das Verhältnis bei exakt 24:1. Dies ist zugleich der Ansatzpunkt für einen international renommierten Anti-Doping-Kämpfer wie Prof. Dr. Werner Franke vom Deutschen Krebsforschungszentrum. „Katja müsste sich das Zeug kurz vor dem Wettkampf injiziert haben. Das wäre so dumm, da könnte man sie sofort nach Wiesloch einliefern“, meinte Franke, der Schumacher berät und sie insbesondere über das weite Feld der kontaminierten Nahrungsergänzungsmittel aufgeklärt hat. Seit sie mit Franke gesprochen habe, traue sie nichts und niemandem mehr. Auf dem Speiseplan stehe fast nur noch Obst. Schumacher im RNZ-Gespräch achselzuckend: „Wie soll ich aufpassen? Ich kann doch nicht mit jeder Vitamintablette ins Labor rennen.“

Bei der gestrigen Pressekonferenz im Saal London des Marriott Hotel Heidelberg suchte Katja Schumacher, tags zuvor von ihrer zweiten Heimat San Francisco eingeflogen, vor allem eines: eine breitere Öffentlichkeit. Ihr Bekenntnis: „Ich habe nie gedopt. Und niemals daran gedacht, Dopingmittel zu nehmen.“ Das wiederum hat sie mit einer eidesstattlichen Erklärung untermauert. Ihr Anliegen: Den teilweise mysteriösen Fall zu durchleuchten. Diesbezüglich steht ihr Rechtsanwalt Dr. Michael Lehner von der Sozietät Bornheim, v. Rosenthal & Kollegen zur Seite. Lehner gilt als Spezialist in Sachen Doping-Kampf – er hatte auch das schwäbische „Laufwunder“ Dieter Baumann in der Aufsehen erregenden „Zahnpasta-Affäre“ vertreten.

Schumachers Vorwürfe richten sich vornehmlich gegen den Veranstalter des Ironman Frankfurt, gegen die Deutsche Triathlon Union (DTU) und das Institut für Dopinganalytik im sächsischen Kreischa nahe Dresden. Anwalt und Mandantin sprechen von erheblichen Verfahrensfehlern. Erstens: Die Eigenverpflegung beim Ironman Frankfurt sei unzureichend gewesen. Lehner dazu: „Manipulative Vorgänge sind hier nicht auszuschließen.“ Zweitens: Der Presse sei der Name Schumacher zu einem Zeitpunkt kolportiert worden, als die B-Probe noch ausstand. Drittens: Transport und Aufbewahrung der Probe habe nicht sach- und fachgerecht stattgefunden. Viertens: Die DTU habe eine Kontrollmöglichkeit bei der Öffnung und Analyse der B-Probe am 3. September 2004 im Labor von Kreischa verhindert. Lehner und ein Mitarbeiter Frankes wollten unbedingt anwesend sein und drängten wegen zweier Beweistermine Lehners in Heidelberg auf eine Verschiebung des anberaumten Termins. Da es zudem eine Einstweilige Verfügung in Sachen Schumacher versus DTU beim Landgericht Mannheim gab, hakte das Analyse-Labor Kreischa beim Triathlon-Verband nach, ob es nun die Öffnung vornehmen könne. Reinhardt Wilke, DTU-Vizepräsident und Verwaltungsrichter in Schleswig, gab den Kontrolleuren per Fax grünes Licht und akzeptierte gleichzeitig ein Fax von Lehner/Schumacher nicht. Wilke auf Nachfrage: „Ich hatte das Fax vor mir liegen. Nach dem Gesetz hätte ich eine Zustellungsurkunde gebraucht.“ Lehner hat kein Verständnis dafür: „Der Verband hätte sich doch keinen Zacken aus der Krone gebrochen, die Öffnung der Probe zu verschieben.“

Katja Schumacher, so scheint es, steht vor ihrem schwersten Rennen...


zurück

© 2004 KatjaSchumacher.com | Design by one4vision.de Impressum